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Die erste Assoziation eines Berliners beim Anblick des Krechatik (russisch: Крещатик, ukrainisch: Хрещатик) ist: Stalinallee! Und wirklich gibt es Gemeinsamkeiten. Der gesamte Straßenzug zwischen dem Bessarabischen Platz (Бессарабская Площадь) und dem Platz der Unabhängigkeit (Майдан Независимости) wurde geschlossen in den Jahren nach dem Krieg im damaligen Stil des Stalin-Klassizismus erbaut. Es handelt sich um die zentrale Straße der Hauptstadt. Die Fahrbahn liegt asymetrisch, näher an der Westbebauung, an der Ostseite erstreckt sich ein breiter Grünstreifen zum Flanieren.
Danach beginnen allerdings bereits die Unterschiede. Der Krechatik ist (zumindest auf der auf diesem Photo nicht sichtbaren Ostseite) architektonisch sehr viel stärker ausdifferenzert, der Fassadenschmuck umfangreicher. Doch am wichtigsten ist wohl: Der Krechatik lebt, und er war und ist tatsächlich die unangefochtene Hauptstraße der Stadt. Geschäfte und sonstige Einrichtungen von allgemeinem Interesse reihen sich nahtlos aneinander, vor allem Abends trifft sich alles hier, regelmäßige Fernsehsendungen werden am Rande der Straße aufgenommen, und am Wochenende werden gar sämtliche Fahrspuren für den Autoverkehr gesperrt und für die Fußgänger freigegeben. Der Ruf des Krechatik ist weit über die Landesgrenzen hinausgedrungen. Selbst Russen der jüngeren Generation, die die Ukraine inzwischen eher mit Distanz und einigen Vorbehalten betrachten, träumen davon, einmal - nachts natürlich - diese Straße entlangzuschlendern.
Der alte Krechatik wurde übrigens nicht durch Bombenangriffe zerstört. Vielmehr verminte die Sowjetarmee die Gebäude bei ihrem Rückzug 1941, und nachdem kurz darauf die Deutschen hier Quartier genommen hatten, wurden die Minen per Zeitmechanismus gezündet. |